Die Initiative Dessauer Ufer und Hallo: e.V. laden ein zum Filmsalon Vergangenheit spiegeln/ Zukunft projizieren mit Filmgespräch mit Kuno Kruse bei Parks am 20.09.25 ab 20:00 Uhr.
SYLVIN RUBINSTEIN – ER TANZTE DAS LEBEN
D 2003 / 90 min
Regie: Kuno Kruse, Marian Czura
Kamera: Marian Czura
Schnitt: Olaf Frackmann
Produktion: MTM, arte, MDR
Sylvin Rubinsteins Geschichte ist überbordend, leidenschaftlich und die eines Menschen, der entschlossen antifaschistischen Widerstand geleistet hat. Geboren 1914 in Moskau mit seiner Zwillingsschwester Maria als Kinder eines russischen Aristokraten und einer jüdischen Tänzerin. Im Zuge der russischen Revolution und wegen antisemitischer Pogrome zog die Mutter mit den Geschwistern nach Polen, wo diese im damals populären Flamencotanz ausgebildet wurden. Als das Duo „Imperio y Dolores“ („Herrschaft und Leiden“) traten Sylvin und Maria in den 1930er Jahren an den renommiertesten Bühnen Europas und darüber hinaus auf. Als 1939 während eines Engagements in Warschau die Deutschen in Polen einmarschierten, landeten die beiden im Warschauer Ghetto. Der deutsche Wehrmachtsoffizier Kurt Werner, der das Tanzpaar erkannte und zudem ein Widerstandsnetzwerk in Südpolen anführte, verhalf ihnen zur Flucht. Während Maria bei dem Versuch, die Mutter aus der Stadt Brody in Sicherheit zu bringen, zusammen mit dieser verhaftet und in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet wurden, wurde Sylvin unter dem Decknamen Turski Teil der Widerstandsgruppe.
“Es war eine heißes Leben. Aber ich bin eine Hyäne. Ich hab das gerne gemacht”, sagt Sylvin über seine Jahre im Untergrund, in denen er SS-Leute in Galizien ebenso furchtlos und kaltblütig liquidiert hat wie später einen “Judenjäger” der Polizei in Berlin. Nach dem Krieg zieht Sylvin nach Hamburg-St. Pauli und tanzt weiter. Die ermordete Schwester lebt im Bruder fort, der als Frau verkleidet unter ihrem alten Künstlernamen Dolores im Deutschland der Wirtschaftswunderjahre auftritt. Sylvins Charme, seine künstlerische Routine und Professionalität verbergen nicht seine Wut und Trauer über das, was er erlebt hat. Im Gegenteil: sein Tanz ist Ausdruck dafür, für sein Leid und sein Widerstehen.